„Es ist erstaunlich, was man aus den Grundzutaten alles herstellen kann.“
Lisa, 25 Jahre: Seit 2019 bei FLENS.
Wir haben vor einiger Zeit zwei unserer Brauerinnen interviewt, um von ihnen zu erfahren, wie sie zu ihrer Berufsentscheidung gekommen sind. Heute stellen wir vor:
Wie bist Du zum Beruf der Brauerin gekommen?
Lisa: Ich habe mein Abitur am Bodensee gemacht, komme aber ursprünglich aus Husum. Nach dem Abschluss war ich zunächst unschlüssig, was ich machen sollte. Irgendwann sagte ich scherzhaft, ich würde "Bier studieren", da ich kein Geld für eine Weltreise oder eine private Universität hatte.
Ursprünglich wollte ich Ärztin werden, aber die Vorstellung von sieben Jahren Theorie für wenig Praxis schreckte mich zu sehr ab. Bei der Berufsberatung erwähnte ich dann die Idee vom Bierbrauen. Ich schwankte zwischen verschiedenen Studiengängen, fand aber die naturwissenschaftlichen Fächer schon immer sehr interessant.
Da wurde mir klar, dass ich in der Bierbrauerei all meine Interessen vereinen könnte: Kreativität, Biologie und Chemie. Das hat mich letztendlich überzeugt, und ich begann das Studium des Brauwesens. Anschließend habe ich mich bei der Flensburger Brauerei für eine Ausbildung beworben, weil es mir so gut gefiel. Ich hatte Glück, hier angenommen zu werden, sonst wäre ich nach München gegangen.
Beschreibe einen typischen Arbeitsalltag bei der Flensburger Brauerei.
Lisa: Es beginnt mit der Schichtübergabe. Wir arbeiten im Dreischichtsystem: Entweder hat man Früh-, Spät- oder Nachtschicht. Zu Beginn und Ende jeder Schicht gibt es immer eine etwa viertelstündige Übergabe.
Danach strukturiere ich meine 8 Stunden vor. Das ist wichtig, weil viele Aufgaben nicht gleichzeitig erledigt werden können oder schnell aufeinander folgen müssen. Dann drehe ich meistens eine Runde und prüfe, ob alles in Ordnung ist, kontrolliere die laufenden Prozesse.
Es kommt darauf an, ob man im Sudhaus oder im Gärkeller arbeitet. Im Sudhaus ist alles zeitlich vorgegeben, getaktet und klar strukturiert. Der Sudplan ist geschrieben, und man arbeitet ihn im Rhythmus von zweieinhalb Stunden ab, mit immer wiederkehrenden Prozessen. Im Gärkeller muss man zum Teil kreativ agieren, um alles zu bewältigen.
Größtenteils begleiten wir Automatisierungen und reparieren Dinge. Das kann handwerklich sein, oder ich muss Werte ändern und Probleme lösen, wenn etwas nicht funktioniert hat. Dann überlegen wir, wie wir das wieder in Ordnung bringen können.
Siehst Du Dich eher als Pionierin in Deinem Bereich oder empfindest Du es als "normal", Brauerin zu sein?
Lisa: In der Flensburger Brauerei ist es Alltag und normal. Wenn Du Dich außerhalb der Brauerei mit Leuten unterhältst, triffst Du manchmal auf Überraschung und eventuell auf Vorurteile, die man aber relativ schnell abbauen kann.
Ich würde mich also gerne als normale Brauerin sehen, aber man ist zwangsläufig, ob man will oder nicht, immer noch ein Stück weit Pionierin. Wobei ich da schon auch eine Veränderung sehe.
Würde es Deiner Meinung nach helfen, wenn Frauen in der Branche noch sichtbarer wären?
Lisa: Das ist immer ein schmaler Grat zwischen: Ist eine Brauerin etwas Besonderes und soll hervorgehoben werden? Oder zieht man das einfach durch? Wenn die Führungen durch die Brauerei vorbeikommen, renne ich oft mit dem Hakenschlüssel durch und sage: "Ja, ich arbeite hier halt einfach."
Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview mit Dir, liebe Lisa!